Hier wächst bald die Energie von Morgen
Üdersdorf. Einmal pflanzen – 20 Jahre ernten. Am Freitag, den 15.05.2010, hat die Firma Eifelacker und Wald GmbH in Üdersdorf weitere 1,6 Hektar Miscanthus-Rhizome gepflanzt. Davor wurden bereits 7 Hektar in Weidenbach und in Berlingen gesetzt. Die Firma Eifelacker & Wald GmbH hat in Berlingen vor einiger Zeit den Weilerhof erworben und damit auch den Status als landwirtschaftlicher Betrieb erhalten. Geschäftsführerin der Eifelacker & Wald GmbH ist Petra Fischer, Prokuristin ist Sandra Wimmeler – die beiden haben selbst „die Ärmel hochgekrempelt“ und beim Pflanzen mit angepackt. Es wurde bereits ein Landwirt, Tobias Schwoll, eingestellt, der unter anderem auch den Weilerhof bewirtschaften wird. Die Firma Eifelacker & Wald GmbH gehört zur TechniRopa Holding, zu der auch die Firmen Bioropa Energies GmbH (Sitz in Berlin), TechniSat Digital GmbH sowie TPS Technitube Röhrenwerke gehören. Eigentümer der TechniRopa Holding ist Peter Lepper.
Die Eifelacker & Wald GmbH plant weitere Pflanzungen von Miscanthus (Chinagras) im Herbst 2010. Miscanthus ist ein mehrjähriges Landschilf aus Asien, welches nach einer Anwuchsphase von zwei Jahren jährlich im März/April geerntet werden kann – und dies über 20 Jahre lang. Da Miscanthus an den Boden keine allzu hohen Ansprüche stellt, kann es auch auf Brachflächen angepflanzt werden. Die Pflanzung der Rhizome (Miscanthus-Pflanzen) erfolgt mit einer umgebauten Kartoffelsetzmaschine. Für die Pflanzung wurde je m² ein Rhizom in fünf bis zehn cm Tiefe gepflanzt und anschließend wurde der Boden gewalzt, denn ein guter Bodenschluss ist hierbei sehr wichtig.
Während im Pflanzjahr und im Folgejahr noch eine mechanische oder chemische Unkrautregulierung erforderlich ist, braucht der Miscanthus ab dem dritten Anbaujahr keine Pflegemaßnahme mehr, weil die abfallenden Blätter den Boden bedecken und das Unkraut unterdrücken. Miscanthus hat nur einen geringen Bedarf an Dünger, weil ab Mitte September ein Teil der aufgenommenen Nährstoffe in das unterirdische Wurzel-Rhizomsystem zurückverlagert wird.
Das Außergewöhnliche an der „Energie von Morgen“ ist die Tatsche, dass es gar nicht mehr allzu lange dauert, bis Heizanlagen in Privathäusern mit schnell nachwachsendem Miscanthus befeuert werden, das ortsansässige Landwirte anbauen. Damit wird den Landwirten eine neue Perspektive eröffnet und gleichzeitig die lokale Wertschöpfung erhöht. Zudem erhöht der Anbau von schnell wachsenden Gräsern das nutzbare Potential der Biomasse im Energiemarkt. Nach einer etwa zweijährigen Wachstumsphase können Miscanthus-Felder jährlich über mindestens 15-20 Jahre geerntet werden. Hier in der Eifel wird mit einem Ertrag von 10 bis 15 Tonnen je Hektar gerechnet, während in wärmeren, geschützten Lagen – wie im Moseltal – ein Ertrag bis zu 28 Tonnen je Hektar erzielt werden kann.
Die Eifelacker & Wald GmbH möchte mit ortsansässigen Landwirten kooperieren
Die Eifelacker & Wald GmbH sucht übrigens derzeit noch landwirtschaftliche Betriebe, die als Vertragspartner auf ihren Flächen Miscanthus anbauen. Ziel ist es, eine komplette Wertschöpfungskette aufzubauen – sozusagen von der Pflanze bis zum fertigen Produkt. Die Eifelacker & Wald GmbH führt den Anbau, die Pflege und Ernte des Miscanthus durch, während die Energieherstellung durch die Pro Eifel Energies GmbH – ebenfalls ein Unternehmen der TechniRopa Holding – realisiert wird. Die Pro Eifel Energies GmbH wird auch den Heizungsbetrieb für Dritte und Partnerfirmen übernehmen sowie Heizungsanlagen an selbige vermieten. Es ist geplant, dass in fünf Jahren alle Firmen der TechniRopa Holding im Vulkaneifelkreis energieunabhängig sind – also unabhängig von Öl-, Gas- und Strompreisen. Die Bioropa Energies GmbH (Berlin) soll die Kooperation mit Vertragslandwirten außerhalb des Vulkaneifelkreises durchführen, so dass die anderen Standorte der TechniRopa Holding Firmen ebenfalls komplett in 5 Jahren versorgt werden können.
Kosten sparen und die Umwelt schonen
Der Energiewert von einem Kilogramm Miscanthus liegt bei 4 kWh. Bei 4 kWh je kg und einem Ertrag von 15 Tonnen bringt Miscanthus einen Energieertrag von zirka 60.000 kWh je Hektar. Ein Kilogramm Miscanthus kann demnach 0,4 Liter Öl ersetzen.
Im Vergleich zum Energiemais, der ebenfalls gerne als Energielieferant angebaut wird, wirkt der Miscanthus Bodenerosionen entgegen. Ebenfalls herrscht in einem Miscanthus-Anbaugebiet eine Bodenruhe, da die Flächen jahrelang geerntet und somit nicht bearbeitet und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssen.
Miscanthus ist auch sehr vielseitig – so ist zum Beispiel geplant, dass Micanthus neben der Energieerzeugung auch für die Herstellung von Baumaterialien – wie Isolierplatten etc. und die Herstellung von Gebrauchsgegenständen aus Miscanthus und Miscanthus-Mischungen (Miscanthus-Granulat mit verschiedenen Kunststoffen) genutzt wird. Hier sind bereits erfolgreiche Tests bei der Firma Techniform in Kelberg durchgeführt worden – ebenfalls ein Unternehmen der TechniRopa Holding.
Nicht zuletzt wiegt ein weiterer Vorteil: Während die Verbrennung fossiler Energieträger die Atmosphäre mit CO2 belastet, verbrennt Biomasse CO2-neutral. In unserem Beispiel sorgt der Miscanthus-Einsatz dafür, dass mehr als 3 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre gelangen als bei der bisherigen Heizöl-Heizung. Wer also mit Biomasse heizt, tut etwas für sein Portemonnaie und gleichzeitig viel für die Umwelt.


